szmmctag

  • Zerbrechlich

    Da lebt sich dein Leben so dahin und du bist glücklich mit diesem immerwährenden, fast eintönigen Trott, der ab und an durch Kinderstreiche, Treffen mit Freunden und dergleichen bereichert wird.

    Und dann?

    Und dann steht dein Leben von einer Minute auf die andere still. Zuerst auf dem Kopf und dann still.

    Als der Kater des nachts nicht nach Hause kam, hatte ich schon dieses merkwürdige Gefühl. Vom Mann zu diesem Zeitpunkt noch belächelt, dachte auch ich noch nicht daran, dass ich mich zwei Tage später in dier Tierklinik werde von ihm verabschieden müssen.
    Ein hechtgesunder Kronprinz, glänzend schwarz mit wundervollen Augen und einem Wesen, das jedes Herz geknackt hat. Gut, seinen Schwanz hatte er eingebüßt, als so ein doofes Auto schneller war als er.
    Er war unser Junge, schließlich hatten wir ihn mit der Flasche aufgezogen.

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    Damals haben wir noch geraucht. Die Schachtel mit den Zigaretten zeigt seine Größe....
    Der Mann konnte ihn in den ersten Wochen noch in der Hemdtasche mit sich herumschleifen. Er war seine Mama. Er stand nachts auf und gab ihm sein Fläschchen. Den Rest erledigten die Hündin und ich.

    Und nun ist er tot.
    Ein Nierenlymphom wurde letzendlich noch diagnostiziert. Totkrank lag er da. Zuerst dachte ich noch an einen erneuten Unfall und schwor Rache jedem BMW-Fahrer in der Nachbarschaft.

    Was auch immer das endgültige Trauma ausgelöst hatte.....am Sonntagmittag bekam er seine überdosierte Narkose und wenige Stunden danach haben wir ihn im Garten unter seiner Gartenbank vergraben. Dort, wo er immer so gerne gelegen hatte, blühen jetzt (sie blühen tatsächlich) Fuchsien.

    Das Loch, das er hinterlässt hat unsere kleine heile Welt erschüttert. Wenngleich viele unsere Tierliebe und die Nähe zu unseren Tieren nicht nachvollziehen können, so haben wir ein Familienmitglied verloren. Und wir sind in Trauer.

    Um sie erträglich zu machen, durfte am Dienstag bereits ein neuer kleiner Kater einziehen. Einer, der Herzen aufknackt, der dich zum Lächeln bringt, ebenso wie zur Verzweiflung, der deine Trauer etwas pelzig werden lässt und der dich fordert in deiner Fürsorglichkeit.

    In alle Freude über den Kleinen mischt sich die Wehmut, weil da keiner mehr in der frisch gebügelten Wäsche schläft, keiner mehr mit schlammigen Pfoten über die Küchenarbeitsplatte marschiert, keiner mehr überdimensionale Teichblätter stolz als Jagdbeute präsentiert und keiner mehr am Morgen auf meiner Zeitung liegt, mich zur Schule begleitet und auf dem noch menschenleeren Schulhof rumbrüllt.....

    Er fehlt so sehr...

    Und du lernst, dass dein Glück zerbrechlich ist. Der Wind kann sich so rasch drehen und man muss sich eingestehen, dass einfach alles zu spät ist. Du weißt dann nicht mehr, wann die letzte Berührung war, die letzte Schmusestunde, überhaupt die letzte Verbindung und du bist traurig darüber,dass du die Zeit, die du hattest, nicht so genutzt hast, wie du sie nun nutzen wollen würdest....

    Tschüss Moses, mein Junge!

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  • Schuggu geht

    http://www.youtube.com/watch?v=w1YRWDDQtZY

    Naja, ich trauere nur virtuell.

    Analog werd ich es morgen mit ihr wohl ganz lustig haben....

    ;)

    Schüss Schuggu!

  • Die schlechte Mutter

    schickt ihre erkälteten Kinder raus in die Kälte.

    Ich kann nicht mehr.
    Die beiden gehen mir hete so auf den Seier, dass ich sie nun in ihre Klamotten gepresst und zur Türe hinaus geschoben habe.

    "Kommt wieder, wenn ihr richtig müde seid!"
    Zwei Minuten später klimgelt es: "Ich wär jetzt müde..."

  • Liebe geht durch die Leber

    Ich bin Mitglied in einem Verein.
    Nichts Besonderes?
    Doch!
    Einen solchen habe ich noch nie erlebt und dessen Gepflogenheiten sind mir fremd. Völlig.
    Da war ich mir bislang nun völlig sicher weder akzeptiert, noch erwünscht zu sein und dann hatte ich heute folgendes Erlebnis:

    Die Damen des besagten Vereins kümmern sich heute um den Schmuck für den Maibaum. Die kranzen und flechten die Girlande. ALLE Damen sollten dabei sein. Nun, meine Kinder sind heute krank geworden. Ich werte diesen Zustand jetzt mal überhaupt nicht. Nein, ich sage nur, dass ich mit zwei Sektflaschen bewaffnet, einem strahlenden Lächeln auf den Lippen bei den Damen aufgetaucht bin und mich für mein Fernbleiben entschuldigt habe.

    Und?

    Ich war der Held des Tages. Dass sie nicht noch "Danke für diesen guten Morgen" gesungen haben, war alles.

    Und ich?

    Ich habe heute etwas gelernt:
    Liebe geht durch die Leber.

    So einfach ist das Leben. So einfach.

  • Frühjahrsputz

    Zwerg 1: Mama, wann machen wir mal wieder Frühjahrsputz?
    Zwerg 2 (entnervt): Mama macht doch IMMER FRühjahrsputz.

    Noch Fragen?

  • Unglaublich ergreifend

    ...für mich und vermutlich auch für diejenigen, die diese Zeit mit mir erlebt haben.

    Der Text könnte aus unserer Feder stammen. Die Erfahrungen sind identisch, die Déjà-vu-Erlebnisse in diesem Clip sind massig und nicht von der Hand zu weisen.

    Und bei aller Vergangenheitsmelancholie spüre ich doch, dass der Zaubertrank noch ein bisschen wirkt.
    Nein, ich wil die Zeit nicht zurück drehen. Sie war so intensiv, wie sie nur sein konnte. Hochs und Tiefs. Voll ausgekostet, ohne Grauzonen. Leben satt.
    Und heute?

    Naja.....für einen einzigen Tag und eine einzige Nacht......

    http://www.youtube.com/watch?v=RTlzQEA-4oc

    Zauberhafte Grüße an die Vergangenheit
    von einer, die
    eine Woche schwarz trug, als Kurt Cobain starb.

    Und wenn ich heute ins Bett gehe, werde ich mir bis dahin das MTV unpugged-video angesehen haben, von roten Gummibärchen, Spaghetti-Perücken, Fahrten im VW-Bus, Lagerfeuern am Bodensee, Feuerlöschern, nächtlichen Badeaktionen, Straßenmusikern, Übermut, Ehrlichkeit, Naivität, Echtheit und von blauen Gitarren geträumt haben.

    Thak you for the music, Locke!

  • Gegen die Winterdepression

    http://www.youtube.com/watch?v=yGwellqWlGU

    Das derzeitige Lieblingslied meiner Halblinge.

  • Enttäuschend

    Da wird seit Jahren in diesem Verein gestänkert und gestritten, diskutiert, debattiert, in Frage gestellt und unterstellt.....und dann, bei der Hauptversammlung nutzen die Delinquenten ihr demokratisches Recht NICHT.

    Nein, ich will nichts mehr hören. Kein Gejammer, kein Genöle.
    75 Personen spreche ich seit gestern ab, sich nochmals beschweren zu dürfen.

    Ich mach mir ein schönes Vereinsleben. Ich werde Spaß haben und wenn jemand schimpft, kann ich sagen, dass nur 11 Personen das Recht dazu haben.
    Punkt.

  • Job und Selbstwert

    Jahrelang dachte ich, ich würde in meinem Traumjob arbeiten.
    Anfangs war dem definitiv so. Ich hab mich reingehängt, viele Aufgaben übernommen, ich hab den Laden geschmissen. Der Chef fragte MICH, wenn er Rat brauchte und schickte mich auf Tagungen undundund. Zweimal legte man mir nahe, ich sollte mich auf einen Führungsjob bewerben. Das wollte ich damals nicht. Ich wollte erst Familie und dann hätte man über den Rest nachdenken können. Für Führungsjobs wäre später auch noch Zeit.

    Dass Kinder das Leben komplett auf den Kopf stellen, ist klar. Auch, dass hinterher nichts mehr so ist, wie es vorher war. So, wie ich mich damals über meine Arbeit definierte, definiere ich mich heute über meine Familie und die berühmte Leitung dieses Familienunternehmens.
    Im Job ist deswegen leider auch nichts mehr, wie es früher war. Durch den Stellenwechsel verlor ich Ruf und Status, was zunächst nicht so wichtig ist, denn wer gut ist, der kann sich beides wieder erarbeiten. Und eigentlich bin ich gut. Bislang fehlt mir allerdings die Möglichkeit, dies in vollem Umfang unter Beweis zu stellen. Man hat mir andere Aufgaben gegeben. Ich bin nun die Tante, die die Moral vertritt und eben nicht mehr zwingend die Wissenschaft. Und als Moraltante wirst du belächelt. Irgendwie. Vom Klientel und von den Kollegen.
    Ich gebe (meistens) mein Bestes und kreise aber auf der Stelle. Ich komme nicht weiter und muss mir jeden Tag aufs Neue, Respekt und Achtung erarbeiten. Nichts ist mehr selbstverständlich. Der Job ist für mich ein ewiger Kampf geworden.
    Da ziehe ich seit Jahren ein gewisses pädagogisches Konzeot durch, von dem ich überzeugt war und mich gut dabei gefühlt hatte, weil es anders war. Mehr Arbeit, ja, aber ich hatte stets das Gefühl, der Zeilgruppe damit gerechter zu werden. Die Welt will das aber komischerweise nicht. Sie wollen ohne nachzudenken, den vrogekauten Brei der letzten Jahre fressen und ihn bei Bedarf einfach auf den Boden oder ein Papier kotzen und fordern jemanden, der dann darin rumwühlt und ihnen sagt, was sie beim nächsten Mal fressen sollen.

    Freie Gedanken, Gefühl, Moral, Freude an Menschlichkeit und miteinander ist ihnen zuwider. Ihnen und ihrem Stall aus dem sie kommen.

    Und ich? Ich kämpfe wacker weiter. Lächle alle Sorgen weg.
    Am Morgen sehe ich aber in den Spiegel und sehe sie: Die grauen Haare und die Furchen auf der Stirn vom vielen Grübeln.

    Und nun hatte ich soeben noch einen Machtkampf mit meinem fünfjährigen Zwerg auszustehen. Ich habe über eine Stunde ein wild brüllendes Kind zu beruhigen versucht, welches sich nicht damit abfinden wollte, zur Strafe eine STunde früher ins Bett zu müssen. Ich spürte den Drang, eben nicht mehr mit Zuwendung alles zu lösen; sondern eher den Wunsch nach Flucht, nach Wegrennen, nach einem lauten Brüllen, welches der Welt sagt, dass sie doch tun und lassen soll, was sie möchte, mich dabei aber in Ruhe lassen soll.

    Das Kind hat sich beruhig, einen Joghurt gegessen und sich entschuldigt. Es schläft bereits und ich werde ihm das Streitobjekt nachher ans Bett legen.....
    Mit Liebe geht alles. Irgendwie.

    Morgen allerdings werde ich wieder dort hin gehen, wo wenig geschätzt wird, dass du es gut meinst. ...wo du mit deiner Liebe gegen Wände rennst und dich fortwährend rechtfertigen musst.

    Und dann spüre ich, wie der Idealismus schwindet und der Zaubertrank seine Wirkung verloren hat.
    Und ich möchte weinen.

    Und das werde ich heute auch tun.
    Den ganzen Abend lang.

    Jawoll!

  • Soeben gefunden

    ...und für lesenswert befunden.
    Ich werte ausnahmsweise mal nicht, falls mir jemand ein Bein stellen wollte. Ich zitiere quasi nur und denke mir meinen Teil.

    Nach Benedikt XVI. wurde nun erstmals ein Mann aus Lateinamerika zum Papst gewählt. Ändern wird sich dadurch im Vatikan nichts

    Von Uta Ranke-Heinemann

    Aus Ratzingers Retorte: Benedikt XVI. und sein Nachfolger Kardinal Jorge Mario Bergoglio, damals noch Erzbischof von Buenos Aires (Vatikan, 13.1.2007)

    Foto: AP Photo/L'Osservatore Romano

    Als im Jahr 2005 Ratzinger zum Papst gewählt wurde, hatte ich große Hoffnungen, daß er es fertigbringen könnte, die zweitausendjährige Geschichte der Kirche, geprägt von Unterdrückung, Kriegen, Frauenfeindlichkeit, Sexualfeindlichkeit, Homosexuellenfeindlichkeit, zu überwinden.

    Ich kannte Ratzinger von unserer gemeinsamen Studienzeit in München 1953/1954 und hatte ihn als sanften, bescheidenen, sympathischen jungen Mann in Erinnerung. Ratzinger fiel mir damals auf als sehr intelligent. Er war der Star unter den Studenten. Und ich sehe uns noch, wie wir beide einsam in einem der großen Hörsäle nebeneinander sitzen und die Thesen unserer Doktorarbeiten ins Lateinische übersetzen. Eine gegenseitige Achtung war seitdem verblieben. Da ich mich mit 17 Jahren auf der Schulbank des Essener Burggymnasiums mit meinem Klassenkameraden Edmund Ranke verlobt hatte, hatte ich unter den Studenten einen gesucht, der für mich als Verlobte in Frage kam und mir nicht plötzlich einen Kuß auf die Backe drückt, wenn wir stundenlang mutterseelenallein abends in einem der großen, leeren Hörsäle sitzen und übersetzen. Er hatte schon immer die Aura eines Kardinals, hoch intelligent bei Abwesenheit jeglicher Erotik. Und über 50 Jahre habe ich geglaubt, daß er unter Johannes Paul litt.

    Eiskaltes System

    Und dann kam es Schlag auf Schlag und war dann mein Schock umso größer, als ich seine ersten Auftritte und Maßnahmen nach seiner Papsternennung sah: Als wissenschaftliches Zitat getarnt, beleidigte er in seiner Regensburger Rede die gesamte moslemische Welt und war auch nach weltweiter Kritik vollkommen lernresistent.

    Nach den Moslems widmete er sich den Juden und machte klar, daß wir alle für deren Bekehrung beten müssen. Um seinen religiösen Rundumschlag fortzusetzen, bescheinigte er den Protestanten, sie seien gar keine Kirche.

    Nachdem er erfolgreich den interreligiösen Dialog endgültig lahmgelegt hatte, setzte er die Vertuschung der Pädophilieskandale in dem Sinne fort, wie er schon 2001 an alle Bischöfe der Welt in seinem lateinischen Schreiben »De delictis gravioribus« (Über schwerer wiegende Verbrechen) geschrieben hatte. Er nahm dieses Schreiben, in welchem er den Bischöfen mit Exkommunikation drohte, wenn sie die Mißbrauchsfälle des Klerus staatlichen Stellen melden würden, nie zurück. Er betonte darin die »gerichtliche Alleinzuständigkeit der Glaubenskongregation als eines apostolischen Gerichtshofs für Straftaten von Klerikern gegen die Moral«. Die Zusammenarbeit des Kriminologen Christian Pfeiffer mit den deutschen Bischöfen zur Aufklärung der Pädophiliefälle ist jetzt daran gescheitert. Die Bischöfe teilten Professor Pfeiffer mit, daß sie »zum Schutz der Opfer« ihm kein Material ausliefern könnten.

    Benedikt war der erste Papst, der das Wort »Kondome« in den Mund nahm, aber nur in dem Sinne, wie er in seinem Buch »Licht der Welt« 2010 schreibt: »für männliche Prostituierte«. Während er Ehefrauen, die mit AIDS-kranken Männern verheiratet sind, nicht nur Kondome untersagt, sondern ihnen auch noch mit »ewigem Höllenfeuer« droht, wenn ein Kondom benutzt wird. Und anstatt sich im Sinne von Jesus zu verhalten, der predigte: »Keine Vergeltung, den Feinden Gutes tun«, feierte er seinen Geburtstag mit George W. Bush, dem er vorher wegen dessen Embryonenschutz zur Präsidentenwahl verholfen hatte und der seinerseits dann später, nach seinem Besuch beim Papst am 10. Juni 2007, verkündet hatte: »Über Krieg haben wir nicht gesprochen«.

    Da er 1981 zum Chef der Glaubenskongregation – früher »Inquisition« genannt – ernannt worden war, herrschte Ratzinger in Wirklichkeit im Vatikan schon seither. Und alles, worüber ich mich 26 Jahre geärgert hatte und was ich Johannes Paul II. angelastet habe, stammte in Wirklichkeit von Ratzinger. Während Johannes Paul als freundlicher Reisepapst unterwegs war, förderte Ratzinger die reaktionärsten und frauenfeindlichsten Kreise der katholischen Kirche, das Opus Dei. Als Papst ging er dann sogar so weit, Holocaustleugner, wie Bischof Williams, wieder in den Schoß seiner Kirche zurückzuholen, unter dem Vorwand, die Einigkeit der Kirche wieder herzustellen. Darüber hinaus klonte er sich seit 1981, also seit über 30 Jahren, in alle neu zu ernennenden Bischöfe und Kardinäle.

    Er hat sich damit weltweit mit Claqueuren umgeben. Man kann sagen, alle furchtbaren Tendenzen der Kirche der letzten 2000 Jahre sind durch Benedikt verstärkt worden, und selbst leise Ansätze von Reformen, wie das 2. Vatikanische Konzil, hat er inzwischen vereinnahmt und eingeebnet. Die Kirche ist unter seiner Ägide zu einer Art gleichgeschalteten Diktatur verkommen.

    Da Benedikt die Strukturen der Kirche über 30 Jahre hindurch vollkommen kontrolliert hat, sehe ich für seinen Nachfolger schwarz. Da praktisch alle der jetzigen Kardinäle seine willfährigen Werkzeuge, Marionetten und Claqueure sind, scheint es mir fast unmöglich, daß mit dem neuen ein wirklicher Christ zum Papst gewählt wurde. Im Sinne von Christus einer, der für Nächstenliebe und den Frieden eintritt, der Hoffnung verkörpert, einen Antihöllenprediger, der kein Frauenfeind, kein Menschenfeind ist. Ein Papst, der nicht sein eiskaltes System Gott gleichsetzt und Gott damit zum Dämon macht, sondern ein Papst, der die Menschen durch die Liebe Gottes versöhnen will.

    Mit Verfallsdatum

    Auch wenn mit Jorge Mario Bergoglio alias Franziskus I. nun ein Papst gewählt wurde, der aus Argentinien stammt: Da sich Ratzinger seit 1981 auf allen Bischofssitzen geklont hat, ist es völlig egal, von welchem Kontinent der neue Klon kommt. Man scheint sich mit Franziskus auf einen Papst mit Verfallsdatum geeinigt zu haben, der schon durch seine körperliche Schwäche sicherstellt, daß sich überhaupt nichts ändern kann. Darüber hinaus ist seine nicht geklärte Nähe zur argentinischen Militärjunta ein schlechtes Omen.

    Als allererstes dankte er seinem Vorgänger, Papst Benedikt XVI., und machte damit deutlich: ändern wird sich gar nichts. Anschließend flüchtete er in die Obhut der Jungfau Maria.

    Die zunehmende Marianisierung des Christentums erfolgte im 19. Jahrhundert: 1854 wurde das Dogma der »Unbefleckten Empfängnis Mariens« verkündet. Dieses ist dem modernen Menschen hauptsächlich deswegen bekannt, weil er es ständig mit der Jungfrauengeburt verwechselte. 99,9 Prozent der Katholiken glauben, das Dogma beziehe sich auf den Zeitpunkt, an dem Maria Jesus vom Hl. Geist empfangen hat. Es bezieht sich aber auf den Augenblick, an dem Maria von ihrer Mutter Anna empfangen wurde, nämlich im Unterschied zu allen anderen Menschen ohne Erbsünde. Was die Erbsünde, die durch den Zeugungsakt der Eltern übertragen wird, bedeutet, beschreibt der Neue Weltkatechismus, 1992, Nr. 1237 und Nr. 1243 (von Ratzinger verfaßt): Alle Kinder (außer Maria) sind im Mutterleib vom Teufel besessen und werden erst durch die Exorzismen der Taufe vom Teufelskind zum Gotteskind. Papst Benedikt XVI. setzte wieder weltweit Exorzisten ein, um den Teufelsaberglauben zu stärken, nachdem er gerade im Schwinden begriffen war. Jesus aber war ein Antihöllenprediger. Ihm wurden die Höllenworte in den Mund geschoben. Das Christentum ist die einzige Weltreligion, wo die Hölle ewig dauert, bei den Moslems z. B. nur »solange Allah, der Allerbarmer, es will« (Sure 6, 128 und Sure 11, 107).

    Von einer Frohbotschaft kann im Christentum keine Rede mehr sein. Der neue Papst wird die Frauen- und Sexualfeindlichkeit fortsetzen. Kondome hat auch er weiterhin verboten, außer für »männliche Prostituierte«, wie schon Papst Benedikt betonte. Der hatte damit die Frohbotschaft zu einer Bordellbotschaft ruiniert.

    1870 wurde das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. Nichts fördert die Infantilisierung der Massen so sehr wie ein unfehlbarer Papst und dieser seit dem 19. Jahrhundert durch die Päpste ständig vermehrte Marianismus. Den Frauen, die nicht bereit sind, ihren Verstand aufzugeben, bleibt nur noch die Flucht. Politisch repräsentiert Franziskus das Reaktionärste, was die katholische Kirche momentan zu bieten hat.

    Uta Ranke-Heinemann war die erste Frau der Welt, die eine Professur für katholische Theologie erhielt (1970) und die erste Frau der Welt, die sie wieder verlor (1987). Ihre beiden Bücher »Eunuchen für das Himmelreich. Katholische Kirche und Sexualität von Jesus bis Benedikt XVI. t« (Neuauflage München 2012) und »Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum« sind internationale Bestseller

    Quelle: Junge Welt vom 15.3.2013

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